Besuch zum Gedenken in Bad Oldesloe

Bedrückend und dramatisch ging für die Diakonissenanstalt Alten Eichen der 2. Weltkrieg zu Ende. Im April wurde Bad Oldesloe bombardiert – zahlreiche Diakonissen, viele Patienten, die Ehefrau und die kleine Tochter des leitenden Oberarztes verloren ihr Leben. Das Kinderkurheim, welches nach den Zerstörungen der Gebäude in Stellingen und Altona Ausweichquartier wurde und als Krankenhaus genutzt wurde, lag in Trümmern. Die Grabstelle auf dem ev. Friedhof in Bad Oldesloe zeugt von diesem Ereignis.

Danach begann der Wiederaufbau. Mit Mut und Hoffnung, vielleicht auch Pflichtgefühl und festem Willen, nicht aufzugeben, startete die Diakonissenanstalt Alten Eichen einen neuen Anfang. Das Ereignis aber brannte sich in die Herzen ein, und es war eine Selbstverständlichkeit, jedes Jahr mit einer großen Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Diakonissen, Freunden und Förderern mit einem Besuch auf dem Friedhof den Verstorbenen zu gedenken. Zu Beginn waren Zeitzeugen, Überlebende dabei, dann die, die noch die Überlebenden gekannt hatten. Jahr für Jahr schrumpfte die Gruppe. Für die, die versuchen, die Erinnerung wach zu halten, keine leichte Erfahrung.

Wenn niemand mehr dabei ist, der mit dem Geschehen persönlich etwas verbindet, dann geraten die Geschichten ins Vergessen. Und dann entsteht die Frage: Lässt man der Geschichte ihren Lauf? Lässt man das Gedenken irgendwann? Gibt man eine Grabstelle auf, wenn niemand mehr da ist, der gedenkt?
Aber immer wieder gibt es Menschen , die nachfragen. Die neugierig sind. Die wissen möchten, was sich hinter so einer Grabstelle verbirgt. Friedhofsführungen haben zunehmend Zulauf- und das Verständnis wächst dafür, dass Erinnerungskultur wichtig ist, weil wir Menschen aus den Erfahrungen der Vergangenheit auch lernen.

Und so war es in diesem Jahr anders. Anfang des Jahres besuchten zwei MitarbeiterInnen der Friedhofsverwaltung „unsere“ Sr. Renate Buhr und ließen sich Erinnerungen erzählen. Sr. Renate kam 1947 , mit damals 17 Jahren nach Alten Eichen- und trägt einen Schatz an Erinnerungen in sich. Sie war nicht dabei in Bad Oldesloe, aber sie hat die Geschichten und Berichte immer und immer wieder gehört, hat mit Schwestern zusammengearbeitet, die die Bombardierung überlebten.

Und als wir mit unserer kleinen Gruppe in diesem Jahr zum Friedhof reisten, kam es zu ganz wunderbaren Begegnungen und Gesprächen. Die Friedhofsverwaltung hat an der Grabstelle ein Schild aufgestellt, auf dem erzählt wird, was am 24.April passierte. MitarbeiterInnen der Friedhofsverwaltung, Bürgerworthalter der Stadt Oldesloe, Vertreterinnen und Vertreter der ev. Gemeinde, der Sohn des damaligen Oberarztes, die örtliche Presse,  nahmen uns in Empfang und feierten mit uns Andacht unter Leitung von Pastor Torsten Schweda. Und anschließend kamen wir beim Essen in Kontakt und Beziehung. Und so hatte dieser Besuch - 73 Jahre nach einem sehr traurigem Ereignis- eine sehr hoffnungsvolle Seite und ließ uns erfüllt und nachdenklich nach Alten Eichen zurückkehren.

Astrid Kapels/03.05.2018 

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