Alten Eichen Blog

Die Bewohner und Tagesgäste unserer Einrichtungen, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erleben in ihrem gemeinsamen Alltag vieles. Ob kurios, lustig, traurig, berührend, spannend: Hier sollen die Gedanken und Erlebnisse der Menschen, die die Diakonie Alten Eichen bereichern und so lebendig gestalten, einen Platz finden.

Neues Tanzcafé in der Tagespflege Alten Eichen

Im Sommer 2016 startete das Tanzcafé der Tagespflege Alten Eichen, im kleinen Kirchsaal unserer Auferstehungskirche. Sehr gespannt erwarteten wir die ersten Gäste. Wie viele würden wohl kommen? Schließlich bildeten etwa zwanzig Teilnehmer - Gäste von außerhalb, aber auch Angehörige mit ihren an Demenz erkrankten Ehepartnern - eine lustige Tanzgruppe. 

Nach dem ersten, gegenseitigen Beschnuppern der Gäste schwang die Meute dann fröhlich zur Live-Musik von Harry Hansen das Tanzbein. Besonders die pflegenden Angehörigen freuten sich, mit diesem Angebot eine schöne Abwechslung in ihren Alltagstrott zu bringen. Die Stimmung war entsprechend ausgelassen. "Wir freuen uns sehr auf das nächste Tanzcafé", so einer der Gäste. "Es war so schön, und ich habe endlich mal wieder getanzt und viel gelacht", resümierte ein anderer Gast den Nachmittag.

Musik erfüllt und verbindet Menschen eben, egal wie alt sie sind, ob sie krank sind oder gesund.

Petra Wekesser
Pflegekraft in der Tagespflege Alten Eichen

ES LEBE DER SPORT

Frau K. war früher Leistungssportlerin. Das Wasser war ihr Metier. Heute, hochbetagt, ist sie täglicher Gast in unserer Einrichtung. Hier ist sie zufrieden, wenn sie ihren einstündigen Mittagsschlaf halten kann, oft schläft sie auch nach dem Frühstück schon im Sessel ein. Sie malt gern, vertieft und selbstvergessen sitzt sie dann in unserem Kreativraum. Der Weg von dort zur Küche, zum Essen, ist für sie mittlerweile eine Kraftanstrengung. Sie geht am Rollator oder hakt sich bei mir ein. Gemächlich gehen wir zur Küche, und dann erzählt sie gern, dass sie ja nach wie vor jeden Morgen an der Alster joggen ginge.

Im letzten Sommer war es, da kam sie eines Tages mit ihrem Rollator nach draußen auf die Terrasse, wo in der warmen Sonne schon andere Gäste Platz genommen hatten. Sie aber wollte sich gar nicht setzen. Stattdessen schob sie ihren Rollator über den Rasen und verschwand hinter einem Gebüsch. Nach einer Weile kam sie zurück. Sie hielt auf der Terrasse, schaute in unsere Gesichter und sagte: „Ich trau mich nicht. Ich wollte einen Handstand machen!“

Offenbar sahen wir recht ungläubig aus, denn sie schob fast trotzig hinterher: „Ich kann das!“

 

Niels Meyer-Muchlinsky
Betreuungskraft in der Tagespflege Wellingsbüttel

DAS AUGE ISST MIT

Herr A. isst sehr langsam, sehr sorgfältig. Während andere Gäste bereits bei der Nachspeise sind, hat Herr A. oft noch nicht mal mit dem Essen begonnen. Herr A. leitete früher ein grafisches Atelier. Daher betrachtet er das Essen erstmal unter ästhetischen Gesichtspunkten.

Heute gibt es Labskaus. Wir haben das große Glück, aus der Küche des Altersheims am Rabenhorst, das direkt nebenan ist, beliefert zu werden - dort wird noch jeden Tag frisch gekocht.

Die Nachspeise wurde bereits verteilt, es gibt Vanillepudding.

Die Schale mit dem Pudding steht neben Herrn A.s Teller. Den Pudding sieht er als Beilage und löffelt ihn auf seinen Teller. Rund um Kartoffelbrei, rote Bete und Hering entsteht ein kleiner Deich aus Vanillepudding. Dann steht er auf, seinen Teller mit Hering und Pudding in der Hand, und kommt lächelnd auf mich zu, der ich heute die Essensausgabe in unserer Wohnküche unterstütze. Ich lächle ebenfalls, denke aber fieberhaft darüber nach, wie ich darauf nun am besten reagiere. Aber nicht selten ist das Naheliegendste das Beste. Neben mir steht Sebastian, unser Praktikant. Und Sebastian sagt das einzig richtige in dieser Situation: „Das sieht schön aus.“ Ja, genau. Danke, Sebastian. Wir drei lächeln, und es gelingt uns, Herrn A. zurück zu seinem Sitzplatz zu begleiten und ihn dazu zu bewegen, in Ruhe weiterzuessen.

 

Niels Meyer-Muchlinsky
Betreuungskraft in der Tagespflege Wellingsbüttel

Die Post ist da

Als ich vor kurzem die Post durchging, stach mir ein DIN A5 großer, mit Blütenstickern verzierter Briefumschlag ins Auge. Darauf stand: "Post von Paul". Nun war ich aber neugierig geworden. Ich öffnete den Umschlag, und fand eine Überraschung für unsere Tagesgäste.

Dazu muss man die Vorgeschichte kennen: Bei einem Ausflug im Sommer 2015 warfen die Tagesgäste eine Flaschenpost in Steinwerder in die Elbe. Zuvor hatten sie sich mit dem Thema "Meer und Strand" auseinander gesetzt und die fast vergessene Art der Nachrichtenübermittlung vorbereitet.

Nun - nach genau einem halben Jahr - antwortete Paul, 6 Jahre und wohnhaft in Sülldorf, dass er beim Drachensteigen die Flaschenpost gefunden habe. Er sendete herzliche Grüße an die Damen und Herren der Tagespflege Ottensen.

"You make my heart smile" steht auf der Karte von Paul, dem Brief lagen eine Zeichnung und ein Foto bei. Voller Freude gestalteten die Tagesgäste gleich eine bunte Karte als Dankeschön für Paul.

Die Postkarte von Paul hat einen Ehrenplatz in unserem Haus, und wenn wir sie sehen und uns die Geschichte vergegenwärtigen, ist ein strahlendes Lächeln auf jedem Gesicht zu sehen.

 

Ingrun Uhl-Ostrowski
Pflegedienstleitung der Tagespflege Ottensen

Verborgene Talente einer dementen Dame

Jeden Tag bieten wir - in der Tagespflege Wellingsbüttel - unseren Gästen verschiedene Beschäftigungen an: Sie können rätseln, vorgelesenen Neuigkeiten aus der Zeitung, Geschichten oder Märchen lauschen, im Sitzen tanzen, singen und selbst Musik machen, Gesellschaftsspiele spielen oder in unserem Atelier kreativ werden. Keiner wird zu etwas gezwungen, wer nichts machen oder sich zurückziehen möchte, der kann das auch tun.

Aber manchmal brauchen unsere Gäste auch ein wenig Motivation.

Heute ist Frau T. im Kreativraum. Sie kommt oft dahin, um vertieft und sorgfältig Mandalas mit Farbstiften auszumalen. Das Angebot, doch vielleicht mal frei und ohne Vorlage zu malen, mit Farben und Pinsel, auf eine Leinwand gar, hat sie stets brüsk abgelehnt. Aber heute lässt sie sich schließlich darauf ein. Vorsichtig und sorgfältig wählt sie die Farben, setzt mit dem Pinsel Strich an Strich. Am Ende entsteht ein ansehnliches kleines Stillleben mit Blumen. Ich bin angetan, aber sie wehrt mein Lob ab. Ich hänge das Bild an einen Nagel in der Wand.

Halb eins, es geht zum Mittagessen. Für einen Moment ist sie abgelenkt. Sie steht auf, greift ihren Rollator, da fällt ihr Blick auf das kleine Bild, das sie soeben vollendet hat. „Hübsch - wer hat das denn gemalt?“, fragt sie. Ich sage ihr, dass sie es selbst getan habe. Ungläubig schaut sie mich an, schüttelt lachend den Kopf: „Ich? Niemals!“ Und zieht mit ihrem Rollator an mir vorbei in die Küche. Gerade gemalt, schon weg. Wieder einmal bekomme ich vorgeführt, was es heißt, dement zu sein.

 

Niels Meyer-Muchlinsky
Betreuungskraft in der Tagespflege Wellingsbüttel

Geschmack ist individuell

Herr L. mag nichts Festes mehr essen. Also servieren wir - die Tagespflege Wellingsbüttel - ihm nur noch weiche Speisen, oft Püriertes. Heute mittag hat er Gemüsemus und Kartoffelbrei auf seinem Teller. Beides drückt er mit der Gabel zu einer flachen Masse zusammen, gießt Soße dazu. Schließlich nimmt er sein Trinkglas und schüttet beherzt Multivitaminsaft über das Ganze. Und dann isst er alles mit gutem Appetit auf.

Nach einer kurzen Schrecksekunde weiß ich, was hier zu tun ist: nichts. Denn was für uns „Normale“ richtig und falsch ist, kann ein Mensch mit Demenz oft nicht mehr nachvollziehen; er baut sich aus dem, was ihm noch vertraut ist, seine eigene Welt.

Herr L. ist satt, legt das Besteck auf den Teller und lehnt sich zurück. Wie hat es geschmeckt?

„Das hat ausgezeichnet geschmeckt!“ Und das ist so gemeint.

 

Niels Meyer-Muchlinsky
Betreuungskraft in der Tagespflege Wellingsbüttel

Aktuelles

Am 25 März 2017 um 18 Uhr heißt es in der Auferstehungskirche "Musik und Lesung in der Passionszeit". Das Ensemble Uni-Suono spielt Stücke von J.S....

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